Monatsarchiv für January 2010

Gesperrt, gefiltert, abgeklemmt: Das unfreie Netz

Auch in Europa wird heftig gegen die digitale Freiheit gearbeitet. In Frankreich droht Surfverbot demjenigen, der zuviel raubkopierte (der hat’s verdient, finde ich; aber wo kommt das System, dass dies ermöglichen kann, so plötzlich her?), in Deutschland sollen virtuelle Stopp-Schilder vor realen kinderpornographischen Inhalten warnen (wen?) und bilde so die Grundlage für eine Verbots- und Überwachungs-Infrastruktur. Killerspiele gräbt man auch gerne mal wieder aus, wenn einer Amok läuft.

Der Elektrische Reporter über Zensurmaßnahmen und ihre Folgen.

Elektrischer Reporter – Gesperrt, gefiltert, abgeklemmt: Das unfreie Netz

Videoschau Nacktscanner

Ich persönlich bin nicht nur gegen Nacktscanner – ich bin auch gegen Abgrabschen. (Sind Sie dafür oder dagegen? Hier gibt’s ne Umfrage dazu…) Ich bin dagegen, dass ich (in TXL) wie ein Schwerverbrecher aus der Reihe gewunken werde, man Abstriche von meinem niedlichen kleinen (funktionsfähigen) Netbook macht, weil ja Sprengstoffspuren drauf zu finden sein könnten, und man mich in dieser Zeit wie einen Bomber angafft. War ich zu unrasiert? Ich bin auch dagegen, dass ich (in MUC) ein Glas Thunfisch in Öl, das erkennbar (!) weniger als 150 ml Flüssigkeit enthielt (es stand auch drauf; Gesamtgewicht minus Abtropfgewicht = Gewicht der Flüssigkeit, ihr Nasen!), abgeben musste. Ich bin allerdings auch gegen Blödmänner, die mein Flugzeug sprengen wollen. Na, wie auch immer, hier die Clips:

Den Knaller lieferte Science-Buster Werber Gruber (-> Terror-Spaß mit Physik) mit in seiner Nacktscanner-Demo im ZDF. Die sagt eigentlich alles:

YouTube nehme ich nur, weil man das einbetten kann – der GEZ-zwangsfinanzierte Sender ZDF ist ja leider nicht in der Lage, sowas wie Einbetten die Reihe zu kriegen und der ZDF-YouTube-Account meidet diesen Beitrag – immerhin gibt’s den Clip auch in der ZDF Mediathek.

Was einen nachdenklich machen sollte: Das Thema ist eigentlich uralt – hier ein Clip von 2006. Nur offenbar war das Zeug ein Ladenhüter. Jetzt plötzlich stürzen sich wieder alle drauf. Da reibt sich der Hersteller natürlich die Hände. Zahlen tun es die Fluggäste:

Die Deutsche Welle zum Thema Nackscanner:

Viele Bilder dessen was der Scanner an sich zeigt:

Die Tagesthemen über Körperscanner – sehenswert schon wegen Bosbachs 180-Grad-Drehung:

ZDF:

Witzig: Extra 3 zum Thema. Ab Minute 2:30 gehts los zum Thema Nackscanner, aber auch der Teil davor ist höchst lehrreich.

Heiter: Mein Lieblingsmagazin “quer” (dafür und für Extra3 zahl ich gern Gebühren) zum Thema Nacktscanner & Vertrauen.

Reuters. Paranoia_ON: Interessant an diesem Beitrag sind die Scans, die eher hässliche Menschen zeigen – etwas, was aktuelle Beiträge im deutschen Fernsehen vermeiden. Die Video-Footage, die natürlich eine Erlaubnis der Flughäfen und Hersteller voraussetzt, ist wohl neuerdings um PR-professionalisierte Akzeptanz bemüht… Paranoia_OFF

Der Piratenpartei-Fleshmob gegen Fleischscanner. Na ja, wenn’s Spaß macht…

Schon etwas älter: Zoomer.de (R.I.P.) fragt Passagiere, was die davon halten, dass man ihre Genitalien scannt:

Interessanter letzter Satz in diesem englischssprachigen Bericht: “It will not stop at Airports”.

Das Ende der Privatsphäre …

Er argumentiert dabei vor allem mit der Macht des Faktischen, also, dass man sich gesellschaftlichen Realitäten anpassen müsse, um nicht unterzugehen, und die gesellschaftliche Norm sei halt nunmal, dass Privatsphäre niemandem mehr wichtig sein. Zugespitzt: Weil ohnehin viele Anwender ihre Daten relativ bedenkenlos ins Netz stellen, weil ohnehin viele Unternehmen Daten sammeln, weil ohnehin Archivdienste im Web das Internet mit einem unlöschbaren Gedächtnis ausstatten, und so weiter – weil das alles so ist, kann man auch gleich auf jegliche Privatsphäre verzichten.

Das hat Zuckerberg so nicht gesagt, und man interpretiert vielleicht zuviel in die Aussagen dieses etwas jungen Chefs hinein – hier der Ausschnitt aus dem Interview, gefunden bei ReadWriteWeb:

Doch natürlich ist Facebook groß genug, um seinerseits Teile gesellschaftlicher Realität zu manifestieren. Und ich sehe immer öfter einen Trend, zu denken zu handeln wie oben zugespitzt beschrieben.

Doch nur weil täglich Menschen bei Rot über die Ampel gehen, braucht man noch lange nicht das entsprechende Verbot abzuschaffen. Nur weil sowieso MP3s geklaut werden, braucht man es nicht erlauben. Nur weil mich Polizei/Geheimdienst sowieso abhören kann, muss der richterliche Beschluss nicht abgeschafft werden. Kurz: Nur weil sowieso Daten anfallen, muss man sie nicht auf Vorrat speichern und beliebig umherschieben dürfen. Wer dazu noch ein paar Fremdgedanken lesen will, dem seien die deprimierendsten Orwell-Zitate aus 1984 anzuraten.

Zum Abschluss: Es ist natürlich eine ungeheure Torheit, den Wunsch der Menschen nach Privatsphäre aus dem Wunsch der Facebook-Nutzer nach Privatsphäre ablesen zu wollen. Wer auf Privatsphäre wert legt, der ist einfach nicht bei Facebook – und auch sonst nirgends. Die Wünsche der Nicht-Mitglieder werden also gar nicht bedacht, und Herr Zuckerberg ist auch kein Gesellschaftsgestalter, sondern Unternehmer. Das sollte sich jeder vor Augen halten, der allzu leicht glaubt, die “Marktforschung” (die auf social networks dank der vielen Daten so einfach ist) würde tatsächlich gesellschaftliche Realitäten abbilden. Man erinnere sich nur an die Wahlprognosen auf Xing, wo die Piratenpartei die absolute Mehrheit erhalten hätte…